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Zahnseide

Du spielst Hiob, bloß ohne Botschaft.
Du überbringst nur Dich, und das auf dem Silbertablett.
Hast Dich selbst zurechtgestutzt,
bist die zur Rose geschnitzte Möhre am Tellerrand.
Hübsch anzuschauen.
Und zu nichts zu gebrauchen.
Zweckentfremdet, bis von Dir kaum mehr etwas übrig bleibt.
Von dem, der Du bist, hin zu dem, der Du immer sein wolltest.
Plagiat eines Plagiats.
Ausstechförmchen für Identitäten.
Charaktere von der Stange.
Ein Fremdkörper, ein Antigen im eigenen Organismus.
Das Leben als Autoimmunerkrankung.
Symptomatisch: Denken, Verzweifeln, Weiteratmen unter Schmerzen.
Eine in sich harmonierende Unlogik,
Gedankenkonstrukte ohne Infrastruktur.
Multilingual ausgebildet, bloß, um festzustellen,
dass Dein Kopf eine Sprache jenseits konjugierbarer Infinitive spricht.
Geheimcodes als Gedanken, denen Du lauschst
wie einem Schauermärchen,
nachts, allein,
bis der Rechner heruntergefahren wird.
Heavy-Metal als Hintergrundmusik.
Alles schreit nach Veränderung
und Du hältst Dir die Ohren zu.
Kresse gedeiht auf nährloser Watte,
sagst Du Dir,
und machst ihr ernsthaft Konkurrenz.

Die Wahrheit schimmert kupferfarben
auf rostfreiem Stahl.
25.6.07 07:37


Intoleranz

Das Leben ist eine prall gefüllte Pralinenschachtel.
Gefüllt mit Köstlichkeiten wie Nougat, Marzipan, Eierlikör und Trüffel.
Es ist für jeden etwas dabei
und für alle genug da.
Zartbitter, das auf der Zunge zergeht,
Mocca, der herb erfrischt,
Rum, der Gaumen und Verstand verführt.
Die Qualität ist die feinste, die Auswahl enorm.
Der Trost liegt in der Süße,
Leichtigkeit winkt aus knisternd, buntem Cellophan.

Das Leben ist eine prall gefüllte Pralinenschachtel.


Ich vertrage keine Schokolade.



25.6.07 06:15


Standby-Modus

Ich habe den Stecker rausgezogen
und da ist immer noch Strom.



21.1.07 22:50


Wie spät es ist

Mit 29 Grad auf der Autobahn.
112 Kilometer, die ein roter Plastikzeiger vorgibt in der stunde bezwingen zu können.
2 Stunden, die noch vor mir liegen.
2 Stunden-die 3 Restminuten unterschlagen.

Vor mir flimmern Kennzeichen und Warnschilder wie inhaltslose Schlagzeilen und doch lese ich sie alle. Mit Augen, die hungrig sind in dieser immergleichen Kulisse, die etwas suchen dass sie fangen, zu sich ziehen und in alle Einzelteile zerlegen können.
Meine Augen gieren nach Schönheit.
Stattdessen Asphalt ,stattdessen eine dreckige Windschutzscheibe, stattdessen dieser klägliche Rest von Nachmittag, der sich im hinteren Winkel des Horizonts schon zum Abend zusammenballt.
19 Uhr im Sommer ist soetwas wie die Vorband einer Vorband, die Einleitung einer Einleitung, ein hilfsverbbeschreibendes Hilfsverb.
Und bevor sich der Tag in spektakulärem Orange-Pink-Pastell-farbenen Himmel-Aquarellen vom Publikum verabschiedet ist hier jetzt nur ein dahingerotztes Gelb, das sich scheu in den Baumkuppen versteckt.
Es sieht nach Gewitter aus, das nicht kommen wird.
Eine Angelegenheit des Kalibers "Niesen müssen, aber nicht können", ein höchst unbefriedigendes Phänomen, siehe auch Öffentliche-Toiletten-hemmungsbedingte-Verstopfungen.

Der Sommer ist ein Wichtigtuer,
ein übermäßig wild gestikuliernder Zeitgenosse,
und das auch dann,
wenn man sich bloß nach der Uhrzeit erkundigt.
25.6.06 18:11


(istgleich)

Wir verharren in einem Provisorium.
Zur Dekoration hänge ich Häkeldecken über unser Vorrübergehend.
Auf unserem Türschild steht in geschwungener Schrift geschrieben:"Zwischenzeitlich".
Wenn wir einander durchs Haar fahren raunt uns etwas ins Ohr "bloß geliehen!".
Unser Hab und Gut steht auf gepachtetem Grund,
die Miete zahlen wir in Raten
und leben von der Hand des jeweils anderen im Mund.

In einem trunkenen Zustand der den Schlaf ankündigt
bemächtigen wir uns der Worte anderer, großerer, besitzenderer Rhetoriker
und sprechen in Bildern von dem
was wir glauben zu sein.
"Die Einzige" sagt er und ich belle Superlative zurück.
Tischtennis der Eitelkeiten, geflüstert, weil schwindsüchtig.

Sicherheit aus Glas,
Glas geschliefen zu Diamanten,
ein Ring ohne Stein,
der sich von meinem Finger
nicht mehr lösen lässt.

Geständnisse die wenig von Versprechen
als viel mehr von Versprechern haben.
Wir erfüllen unser Soll um mit an der Oberfläche lauwarmen Wassers treiben zu dürfen.
Wir trotzen unseres Herbstes mit kurzen Hosen,
erklären Widrigkeiten für nichtig
indem wir sie nicht sehen.
Wir spannen uns ein Netz aus Strategien
dass unser Stolpern auffängt
(Wir bewegen uns ausschließlich stolpernd vorwärts)

Wir umgarnen wie Liebende,
wir tänzeln wie Liebende,
wir summen wie Liebende,
wir erobern wie Liebende,
wir pflegen wie Liebende,
wir ergänzen wie Liebende,
wir formen wie Liebende, etwas das aussieht wie Liebe.


Wir fälschen, kopieren, geben vor, behaupten, reden uns ein, garantieren, tun als ob, glauben.
Wie Liebende.



14.5.06 13:24





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